Einbaumöbel made in Riedberg

Noch steht auf einer Leiter der Kaffee. Die Einbauten werden gerade eigenhändig eingepasst, die 3D-Skizze des Showrooms hängt ausgedruckt am Fenster. In Alt-Niederursel, wenige Schritte vom „Lahmen Esel“ und dem beliebten Café Mutz entfernt, wird der große Wunsch eines Riedbergers Realität. In den Räumlichkeiten, wo früher eine Bank-Filiale zu finden war, wird Ralf Troßbach Anfang Oktober „ARMARIUM“ eröffnen. Der Begriff ist lateinisch, bedeutet seit mehr als 2000 Jahren „Schrank“, hat aber genauso viel mit Handwerk wie Möbeldesign und einem bewegten Leben als Schreinermeister und Kosmopolit zu tun.


Auch die Einrichtung des Showrooms ist Handarbeit

Wer kann denn schon von sich berichten, dass er nach einer klassischen Schreiner-Ausbildung und Meistertitel zeitweise die Schulwerkstatt einer Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder auf der Schwäbischen Alb leitete, sich immer für Fortschritt und Tradition zugleich interessierte und zudem Erfahrungen im Möbeldesign in den USA sammelte? Am besten, man fängt da an zu erzählen, wo auch das Gespräch mit dem 51-Jährigen beginnt. Er berichtet, dass er 2011 mit Familie an den Riedberg gezogen ist, die Zeit von 2014 bis 2016 in Boston/USA verbrachte und dann wieder hierher zurückkam. „In Amerika habe ich gesehen, wie viele Menschen sich noch maßgefertigte Einbaumöbel machen lassen. Diese entsprechen nicht immer unserem handwerklichen Niveau. Doch dort sind praktische Ankleidezimmer oder präzise eingepasste Schränke, in denen nahezu alles Platz findet, allgegenwärtig.“ Ralf Troßbach, der vorher in Frankfurt als „derstadtschreiner“ schon sehr bekannt war, hatte sich 2001 auf maßgefertigte Lösungen spezialisiert. Er betont: „Mittlerweile sind im zeitgemäßen Wohnen neben der üblichen Einbauküche auch der Einbauschrank und das Ankleidezimmer fest etabliert.“

Wo Kühlschrank und Kisten verschwinden

Eine Frau aus Heddernheim etwa wünschte sich für ihre neue Wohnung, dass ein „relativ unmögliches Loch unter der Treppe im Küchenbereich“ verschwindet und dort Stauraum geschaffen wird. Für den Kühlschrank, sonstige Küchenutensilien und Getränkekisten. Funktional und schön, mit Vollauszügen, am besten im passenden Weißton sollte das sein. Mit der jetzigen Lösung, die innerhalb von vier Wochen realisiert wurde, sei sie „richtig happy“, sagt die Kundin.


Hier sollte ein „relativ unmögliches Loch unter der Treppe“ verschwinden und Stauraum geschaffen werden

Ralf Troßbach berät, gestaltet und fertigt individuell. Er setzt für die Umsetzung in der Fertigung auf ein Partnerteam aus Ingenieuren, Planern, Tischlern und Holztechnikern. Das Prozedere ist in der Regel so: „Ich plane nach intensiven Gesprächen mit meinen Kunden am Computer, und die Daten gehen dann direkt in die Fertigung“, so Ralf Troßbach.

Zusammenarbeit mit Gimi Zanfino und Designer Philipp Beisheim

Auch in den neuen Räumlichkeiten wird alles in diesen Tagen selbst eingebaut. Etwa der Arbeitsbereich, in warmen Unitönen und puristisch, der zu einer Homeoffice-Lösung passen könnte, „aber auch die Heizkörper verdeckt“. Auch der Schreinermeister Gimi Zanfino ist vor Ort. Er übernimmt die Montage der Einbaulösungen bei den Kunden. Erfahren im Einbau von maßgefertigten Möbeln, arbeitete Gimi Zanfino schon viele Jahre mit Ralf Troßbach zusammen. Die Baumaßnahmen sind im Endspurt. Denn spätestens Ende der Woche will man fertig sein. Ausgestellt werden Schiebetüren mit begehbarem Kleiderschrank, ein Einbauschrank und modernes „Innenleben“ wie Kleiderlift, Schuhschrankauszug und Stauraumlösungen. Bei der Konzeption der Ausstellung hat auch der Frankfurter Designer Philipp Beisheim im Team um Ralf Troßbach am Entwurf des Showrooms mitgewirkt.

Am 3. Oktober ist anlässlich des „Tages der offenen Hoftore“ die Eröffnung von Büro und Ausstellung geplant. „der hof“, das alte Fachwerkgehöft mit Bildungsstätte, Krippe, Schmiede und Naturkostladen ist nebenan. „Auf dem Weg dorthin kommt man direkt bei mir vorbei“, sagt der Schreinermeister, der interessierte RiedbergerInnen herzlich einlädt.

Weitere Informationen unter www.armarium-frankfurt.de

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Der Tag der offenen Hoftore ist am 3. Oktober von 11 bis 17 Uhr in Niederursel. An 15 Orten werden Handwerk, Kunst, Kultur, viele Spezialitäten und heimische Getränke sowie Aktivitäten für Kinder von Kisten-Klettern bis Korbflechten angeboten. Auch Ralf Troßbach nimmt daran teil. Das komplette Programm unter www.der-hof.de

Alt-Niederursel ist nur rund fünf Rad-Minuten vom Riedberg entfernt oder mit einem Spaziergang zu Fuß erreichbar. Auch die Anfahrt mit der U-Bahn wird empfohlen. Denn die Parkplatzsituation ist eingeschränkt.

(Fotos: raumplus, Troßbach, der hof)