Die großen Hitze-Probleme der U-Bahn – und so will man sie lösen

Acht Stunden lang ging am Montag auf der „A-Strecke“ zwischen Hügelstraße und Heddernheim, also auch von und in die City, für uns nichts mehr – die anhaltende Hitze war der Auslöser. Heute informiert die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) ausführlich, welche Probleme die Hitzewelle bereitet und welche Konsequenzen man zieht. Nur zur Erinnerung: Durch die ungewöhnlich hohen Sommertemperaturen hatte sich bei Heddernheim der Kupferdraht der Oberleitung gedehnt, was die mechanische Spannung gelöst hat. Eine U-Bahn beschädigte diese in der Folge, der Stromabnehmer der Bahn wurde dabei ebenfalls beschädigt. Und alles stand still.

Sonderschichten plus Tempo-Begrenzung gegen die Hitze

Der Oberleitungsbau der VGF fährt wegen der Hitze seit Wochenbeginn Sonderschichten. Auch Mitarbeiter aus der Verwaltung und dem technischen Büro wurden rekrutiert, um wieder auf der Strecke zu arbeiten. Drei Turmwagen sind mit ihrer drei Mann starken Besatzung Tag und Nacht im Einsatz, um die Oberleitung entlang des 65 Kilometer langen U-Bahnnetzes zu kontrollieren und bei Bedarf nachzujustieren. 14 Stellen im Oberleitungsnetz, an denen das nötig ist, hat die VGF kurzfristig lokalisiert. Alleine in der Nacht von 31. Juli auf 1. August erfolgten diese Arbeiten an sechs Punkten, wobei stark befahrene Abschnitte wie die „A-Strecke“ (U1, U2, U3 und U8) Priorität genießen. Im Laufe des 1. August werden diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Zusätzlich zu diesen Kontrollen und Arbeiten hat die VGF vorsichtshalber die Höchstgeschwindigkeit der U- und Straßenbahnzüge auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Der Gleisrost kann sich um wenige Zentimeter „verschieben“

Nicht nur der Fahrdraht dehnt sich, auch der Stahl der Gleise reagiert auf die anhaltende Hitze, nämlich mit einer „Gleisverdrückung“. Hierbei verschiebt sich der Gleisrost – also Gleis und Schwelle – um wenige Zentimeter. Ein 65 Kilometer langes Gleisnetz kann nicht gleichzeitig und flächendeckend überwacht werden, gemeldet wird das deshalb meist von Fahrerinnen und Fahrern, die die daraus resultierenden Beeinträchtigungen bemerken. Unmittelbarer „Feind“ des Gleises ist hier der Schotter um das Gleisbett. Der Basalt speichert in Folge der andauernden Sonneneinstrahlung die Wärme, was dazu führt, dass die VGF nachmittags Temperaturen von 55 bis 60 Grad im Gleis misst. Abhilfe in Form von Abkühlung schafft dann die Bewässerung der belasteten Gleisstelle durch ein Spezialfahrzeug, das die VGF am späten Nachmittag, wenn die Temperaturen am höchsten sind, einsetzt.

Der Gleisbau kennt die Stellen im Netz, die potentiell von einer Gleisverdrückung betroffen sein können und kontrolliert hier bevorzugt. Eine dieser Stellen ist die Kurve vor der Station Weißer Stein, aber diese ist zurzeit unauffällig. Anders als in Nähe der Station Fischstein, wo das Gleis gewässert werden muss.

Probleme auch bei Stellwerken

Auch andere betriebstechnische Einrichtungen sind von der Hitze betroffen, zum Beispiel die Stellwerke entlang der Strecken. Untergebracht sind sie in unauffälligen, schmucklosen Gebäuden, etwa von der Größe einer kleinen Garage. 26 Grad Raumtemperatur sind für die Server in diesen Stellwerken ideal. Die Geräte steigen bei höheren Temperaturen nicht automatisch aus, Ausfälle von Stellwerken wegen zu hoher Hitze gab es daher noch nicht. Trotzdem muss die VGF gewährleisten, dass das auch weiterhin nicht geschieht. Um die ideale Arbeitstemperatur auch bei anhaltender Hitze zu sichern, müssen einige Stellwerke mit Klimaanlagen nachgerüstet werden. Dieses Projekt läuft nicht erst seit diesem Sommer, sondern wurde schon früher aufgesetzt. Kurzfristig, Ende Juni, wurde ein Stellwerk an der Hauptwache nachgerüstet, eine weitere Nachrüstung steht für das Stellwerk in Bad Homburg Gonzenheim auf dem Programm.

Rechner der Straßenbahnweichen heizen sich auf

Straßenbahnweichen werden ebenfalls mit Rechnern gesteuert. Sie sind in kleinen Schränken untergebracht, die sich an mehreren Stellen im Stadtgebiet finden. Das Problem: Sie sind mitunter in edlem Dunkelgrau gestrichen und heizen so ordentlich auf. 60 Grad vertragen die Rechner im Inneren, an einzelnen Baugruppen hat die VGF aber mitunter 62 bis 63 Grad gemessen – trotz der vorhandenen Lüftung der Schränke. Daher werden sechs dieser Schränke entlang von Stresemannallee und Mörfelder Landstraße im Lauf des 2. August weiß gestrichen.

Fazit der VGF: Gänzlich verhindern lassen sich Einflüsse des Wetters auf den Betrieb von U- und Straßenbahnen nicht – weder im Sommer noch im Winter. Schon gar nicht, wenn es sich um extreme Wetterlagen handelt. Die eine oder andere Schwachstelle – etwa die für das Stadtbild schicke dunkle Farbe der Steuerschränke – hat sich auch erst im Zuge der anhaltenden Hitze gezeigt. Auch der Verlust der mechanischen Spannung der Oberleitung ist nicht Folge eines einzigen heißen Tages, sondern der kontinuierlichen Hitze. Etwa am Montag.

Informationen: Stadt Frankfurt

Foto: MAINRiedberg