Das Rennen in Bildern

„Papa, wann kommen denn endlich die Radfahrer?“ Die kleinen Zuschauer am Straßenrand sind schon ganz aufgeregt. Einige Riedberger haben bereits am Vormittag den Jedermännern und -frauen zugejubelt. Dafür gab’s ein Lächeln von den Hobby-Radlern, wenige winkten auch schnell im Vorbeifahren zurück. Sonntag, 12.32 Uhr, biegen die Profis beim Klassiker „Rund um den Finanzplatz Eschborn Frankfurt“ von der Rosa-Luxemburg-Straße Richtung Westflügel ab. Kreisel und Kurve direkt am Riedbergzentrum sind der beliebteste Zuschauer-Spot. Und die erste Sprintwertung an der Kreuzung Altenhöferallee/ Graf-von-Stauffenberg-Allee. Erst kommen Begleitfahrzeuge und Polizei. Dann, um 12.36 Uhr, rast das Feld heran. Kopf und Blick nach unten gerichtet, um noch aerodynamischer im Sprint zu sein.

Es geht alles so schnell, dass selbst Radsport-Fans Stars wie John Degenkolb, Tony Martin und Fabian Wegmann kaum im Pulk erkennen können. „Egal, das war trotzdem Wahnsinn“, sagt ein Elfjähriger, der direkt am gelben Torbogen mit Wertungs-Linie und Zeitnahme steht. Nicht weit davon entfernt sind Tische und Bänke aufgebaut, die man bei endlich blauem Himmel und trotz reichlich Wind nutzen kann. Das Familienzentrum Billabong bietet Kinderschminken, eine Slackline zum Turnen und ein witziges Laufrad-Wettrennen an, übrigens auch für Erwachsene. Für Bratwürste und Getränke sorgen die Betreiber des Park Avenue. Anlässlich des Rennens lädt auch der „Riedbergmakler“ in die neuen Räume in der Graf-von Stauffenberg-Allee ein. Es ist ein richtiges kleines Riedberg-Fest geworden. Vielleicht ein kleiner, aber gelungener Auftakt zum großen Stadtteil-Sommerfest am 25. Juni im Kätcheslachpark, das die IG Riedberg gemeinsam mit den örtlichen Vereinen organisiert.

Zurück zum Rennen. Vor den Profis kam Veranstalter Bernd Moos-Achenbach persönlich. Der Mann, der bei einer Pressekonferenz vorab betont hatte, wie sehr er das Engagement von Werner Hackermeier, dem ehemaligen Haseg-Projektleiter für den Riedberg, und die Rennatmosphäre in unserem Stadtteil schätzt. Auch in Jahren, als sich immer mehr Sponsoren vom Radsport abwandten. Als sich die Doping-Fälle auch hier in Deutschland häuften.

Moos-Achenbach stoppte am Sonntag kurz, beglückwünschte die Riedberger Akteure. Dann eilten die Organisatoren von Deutschlands wichtigstem Eintagesrennen ins Fahrzeug zurück, um den Überblick über das Geschehen auf und an der Rennstrecke zu behalten. Im vergangenen Jahr war Eschborn-Frankfurt wegen einer Terrordrohung abgesagt worden, in diesem Jahr griff ein verbessertes Sicherheitskonzept.

Vier Mal mussten die Profis auf der 206 Kilometer langen Strecke über den Mammolshaimer Berg im Taunus mit mehr als 20 Prozent Steigung. John Degenkolb (27), der nach einem schweren Trainingsunfall im Januar fast sensationell an seinem Heimrennen teilnehmen konnte, musste bei der dritten Taunus-Schleife abreißen lassen und stieg 50 Kilometer vor dem Ziel aus. Degenkolb hatte gegenüber MAINRiedberg bereits vorab gesagt, dass es für ihn darum gehen wird, „das Gefühl wieder für so ein Rennen zu bekommen“. Dafür, wie es sich anfühlt, in einem Feld von 200 Mann die Nerven zu behalten, wenn rechts und links geschubst wird. Und dafür, wie sein Mittelfinger die Aufgaben seines linken Zeigefingers übernehmen kann. Dieser Finger konnte nach dem Unfall nur durch einen Knochentransplantation gerettet werden. Doch das Gefühl und die Muskulatur in Zeige- und Mittelfinger sind wichtig, besonders beim Bremsen, umso mehr bei Abfahrten und hoher Geschwindigkeit.

Degenkolb trainiert ab sofort für die Tour de France. Einer der anderen deutschen Stars, Tony Martin, konnte sich trotz einer Attacke im Taunus nicht vom Feld absetzen. Fabian Wegmann, der 2009 hier gewonnen hatte, kam als Zehnter ins Ziel. Im Zielsprint vor der Alten Oper in der Frankfurter City siegte der Norweger Alexander Kristoff. Zu diesem Zeitpunkt war das gelbe Tor am Riedberg bereits abgebaut. Bei immer noch strahlendem Sonnenschein.

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Beeindruckend: Die Profis beim Sprint in der Altenhöferallee

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Schon frühmorgens jubelten Riedberger für die Jedermänner und -frauen.

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Und manche Hobby-Radler winkten tatsächlich zurück!

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Lust auf ein Laufrad-Wettrennen beim kleinen Riedberg-Fest? Das hatten übrigens nicht nur die Kinder…

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Daumen hoch für den Riedberg: Auch Veranstalter Bernd Moos-Achenbach legte hier kurz einen Zwischenstopp ein

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Die Experten von e-motion, einem e-Bike-Fachgeschäft in der Krebsmühle, stellten am Streckenrand die neuesten Modelle vor

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Ab 13.10 Uhr sprintete das Feld der Junioren über die Altenhöferallee

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Schrecksekunde vor dem Eintreffen der Profis: Mit dieser ungewöhnlichen Sicherungs-Maßnahme gelang es den Streckenposten, das Tor der Sprintwertung so zu sichern…

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…dass es dem Wind standhielt. Das funktionierte zum Glück bis zum Schluss des tollen Renntags.

Text & Fotos: cd