Der Riedberg wird erwachsen!

Riedberg, anno 1986. Die ganze Anhöhe ist grün. Noch sind hier nur Pferde, ein Aussiedlerhof und der holprige Feldweg nach Kalbach. Riedberg, anno 2016: Rund 10.000 Menschen wohnen zwischen Bonifatiusbrunnen und Altkönigblick. Es gibt mehr als ein Dutzend Kitas, zwei Grundschulen, ein Gymnasium und ein Einkaufszentrum. Nicht zu vergessen das Technik-Campus der Goethe-Universität, mit langfristig etwa 8000 Studenten. Anders ausgedrückt: Die Entwicklung des neuen Stadtteils Riedberg ist weit vorangeschritten, mehr als 90 Prozent der geplanten Wohneinheiten sind realisiert. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) möchte deshalb „die Aufhebung der Entwicklungssatzung zum 30. Juni 2016″ beantragen. Der Magistrat soll am Freitag den entsprechenden Beschluss fassen. Der Riedberg wäre dann keine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme mehr – sondern „erwachsen“!

Bei einem Pressegespräch betonte Cunitz: „Die Stadt Frankfurt am Main und die HA Stadtentwicklung haben es geschafft, einen sehr lebendigen und vielfältigen neuen Stadtteil für Frankfurt am Main zu entwickeln.“ Man ist stolz auf eine „Entwicklung aus einem Guss“. Das betreffe die öffentliche und private Infrastruktur sowie Park- und Sportanlagen gleichermaßen. Das Grün macht übrigens fast ein Drittel der Fläche des Riedbergs aus. Der ganze Stadtteil ist in etwa so groß wie die Fläche der Frankfurter Innenstadt.

500 neue Riedberger in nur sechs Monaten

Bereits 1993 starteten Voruntersuchungen für das Neubaugebiet auf der „grünen Wiese“. Erst wurde der Stadtteil für 20.000 Einwohner konzipiert, später für 15.000. Vor allem junge Familien und Gutverdiener sollte der Riedberg anziehen, die damals teils der Stadt den Rücken kehrten. Bis 2018 werden 6300 „Wohneinheiten“ entstehen. Neben rund 1200 Reihen- und Einfamilienhäusern auch über 5000 Wohnungen im Geschosswohnungsbau, davon 1770 Mietwohnungen. Davon wiederum sind 461 gefördert. Auch ein Mutter-Kind-Haus und Wohnheime für Menschen mit Behinderung gehören zum Stadtteil.

Am 30. Juni des vergangenen Jahres waren exakt 9474 Einwohner mit Erstwohnsitz Riedberg gemeldet. Allein im ersten Halbjahr 2015 sind 500 Menschen hinzugekommen.

Im neue Plus-Energie-Haus der Nassauischen Heimstätte produziert ein unterirdischer Eisspeicher Wärme. Niedrigenergiehäuser sind generell Standard. Nachhaltigkeit, zahlreiche Architekturwettbewerbe und Vorgaben sollten den neuen Stadtteil prägen. Derzeit wird noch das letzte Wohnquartier, der Westflügel, fertiggestellt. Auch hier wird auf die „Ensemblewirkung des Quartiers“ gesetzt. Einige Häuser dort kosten allerdings mehr als eine Million Euro – während zu Beginn der Entwicklung „uns die damaligen Reihenhäuser fast aufgedrängt werden mussten“. Das berichten Riedberger, die bereits vor mehr als zehn Jahren hierhergezogen sind.

Riedberg macht 70 Millionen Euro Verlust

Die Verantwortlichen sprechen von einem „wirtschaftlich erfolgreichen Mega-Projekt“. Fakt ist aber auch: Das Projekt schließt mit einem Defizit von 68,5 Millionen Euro ab. Laut FAZ hatte die Stadt ursprünglich mit einem Gewinn von 4,5 Millionen (!) kalkuliert. In der offiziellen Mitteilung zum Pressegespräch am Dienstag allerdings wird nur von einem erwarteten Defizit in Höhe von fast 100 Millionen Euro gesprochen, das sich dank aktueller Berechnungen auf die oben erwähnten rund 70 Millionen verringert hat. Dem gegenüber stehen öffentliche Vermögenswerte aus Schulen, Parks, Kitas und Infrastruktur in Höhe von 240 Millionen Euro.

Das Defizit wäre geringer, wenn keine zweite weiterführende Schule nötig wäre. Eine Integrierte Gesamtschule (IGS) am Riedberg wird aber bereits geplant und wird aufgrund der Schulplatzmangels im Frankfurter Norden von Eltern und Kindern schon lange herbeigesehnt.

Darauf können wir uns freuen

Das Leben am Riedberg soll bald noch attraktiver werden. Wir dürfen uns freuen

– auf die Fertigstellung des Kätcheslachparks noch in diesem Frühjahr – mit einem großen Abenteuerspielplatz inklusive Schiffswrack und Kletterberg sowie einer Basketballfläche.

– auf den Umzug des Familienzentrums Billabong in neue und großzügigere Räumlichkeiten, vielleicht schon im nächsten Jahr. 2017 will der SC Riedberg auch mit dem Bau eines Clubhauses am Sportplatz beginnen.

– auf unseren längsten Park entlang der ehemaligen Römer-Straße, mit Blick auf die Skyline im Süden und den Feldberg im Norden. Auch hier könnten die Bauarbeiten 2017 starten.

Mitte des Jahres wird das Stadtplanungsamt die Verantwortung für den Riedberg übernehmen. Die Hessenagentur wird weiterhin als Dienstleister mit im Boot bleiben, „um die Kontinuität der weiteren Entwicklung und die Fertigstellung der ausstehenden Bauvorhaben zu gewährleisten“.

2020 soll „unser“ Riedberg vollendet sein. Und mehr als 15.000 Menschen werden hier leben.

(Zusammenfassung: cd/ Foto: Luftbild Dirk Laubner/ Stadt Frankfurt)