Das grüne Zimmer ist angekommen

„Mama, was ist denn das?“, fragt ein kleiner Junge mitten am Riedbergplatz. Denn dort steht seit gestern Nachmittag und auf Rollen das, was seine Mutter als „das grüne Zimmer“ bezeichnet. Reaktion des kleinen Riedbergers: „Aber da kann man doch nicht drinne wohnen…“

Das Zimmer, in dem man leider nicht drinnen wohnen kann, fällt sofort auf, wenn man über den noch relativ grauen Platz fast ohne Schatten geht. Die Stichworte „Staubfilter“, „Biodiversität“, „Lärmreduktion“, „Schatten“ sind zu lesen. Informationen zu den positiven Effekten von innerstädtischem Grün ebenfalls. Erdbeeren, Lavendel, Kräuter wie Thymian und Minze, dazu Stauden, Kiwi und Wein sind in die senkrechten Wand gepflanzt. Riechen, Schmecken und Fühlen ist ausdrücklich erlaubt. Die Bewässerung erfolgt über einen Wassertank im Boden. Auch punktuelle Abkühlung soll das so genannte „Mobile Grüne Zimmer“ bieten, das 2016 zum ersten Mal in Frankfurt im Zuge einer Aktionswoche zum Klimawandel zu Gast war und per Tieflader durch etliche EU-Mitgliedsländer tourte.

Aufgrund des großen Zuspruchs und der starken Nachfrage unter anderem aus unserem Ortsbeirat hat sich das Umweltdezernat dazu entschlossen, drei zusätzliche „Mobile Grüne Zimmer“ zu den vier bereits bestehenden zu beschaffen – eines davon für den Riedbergplatz. Die weiteren stehen bereits jetzt oder bald am Atzelbergplatz in Seckbach und dem Carlo-Schmidt-Platz in Bockenheim.

Die mobilen Oasen sind nicht billig. Laut FR kostet das Stück mehr als 60 000 Euro. Dazu kommen noch Kosten für den Unterhalt. Auch deshalb wird am Riedberg teils darüber diskutiert, ob das unterm Strich gerechtfertigt ist und dieser Betrag an anderer Stelle nicht sinnvoller investiert werden könnte.

Im zuständigen Dezernat weist man auf die anhaltende Sommerhitze hin. Das Wetter und die hohen Temperaturen der letzten Wochen geben uns einen Eindruck davon, was in Zukunft die Regel sein wird. Die Städte heizen sich immer weiter auf. Auf manchen Plätzen wird es tagsüber beinahe unerträglich heiß und auch nachts kann die Stadt nicht mehr richtig abkühlen. Die Straßen, Fassaden und Plätze speichern die Wärme des Tages. Die „Mobilen Grünen Zimmer“ seien gesamtstädtisch lediglich ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. „Sie sind dennoch ein wichtiges Instrument, um für die Anpassungsmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren.“ Zudem könne man sich auch Inspirationen für die Fassaden- oder Wandbegrünung des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung holen, die von der Stadt gefördert wird.

Fotos: MAINRiedberg