Das Erdbeben-Protokoll

Es ist Tag fünf nach dem schweren Beben in Ecuador: Die Hoffnung, Überlebende zu finden, sinkt. Die Behörden haben die Zahl der Toten auf über 500 erhöht. Mehr als 4500 Menschen wurden verletzt. Sven Moulden (20) aus Kalbach leistet derzeit in Ecuador ein Bundesfreiwilligenjahr als Englischlehrer an einer staatlichen Schule. Zum Glück ist er unverletzt. Er war zum Zeitpunkt des Bebens 200 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Lesen Sie jetzt seinen Bericht für MAINRiedberg:

Das Erdbeben ereignete sich am 16.04.2016 um ca. 18 Uhr Ortszeit. Es ereignete sich in der Nordküste Ecuadors. Zur Zeit des Bebens befand ich mich in einem Bus von der Hauptstadt Quito nach Riobamba, also in der Sierra (Gebirge) gut 200 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Im Bus habe ich nichts mitbekommen. Selbst in 150 Kilometer entfernten Supermärkten sind aber noch Waren aus den Regalen gefallen.

Die Provinzen Manabí, wo sich mein Wohnort Puerto López befindet, und Esmeraldas waren besonders stark betroffen. Nach Angaben von Freunden, die zur Zeit des Bebens in Puerto López waren, wurden mehrere Häuser stark beschädigt und unbewohnbar gemacht, aber es sind keine Menschen ums Leben gekommen. Für Puerto López war es das erste größere Erdbeben in jüngerer Vergangenheit.

Da Puerto López im Süden Manabís liegt, hielt sich das Ausmaß der Zerstörung in Grenzen. Im Gegensatz zum Norden der Provinz Manabí. Der Küstenort und wichtige Verkehrsknoten Pedernales wurde komplett zerstört. Die Aufbauarbeiten werden wohl einige Monate in Anspruch nehmen. Durch die angenehmen klimatischen Bedingungen können die Menschen für einige Zeit in Zelten und temporären Unterkünften leben. Noch drei Tage vor dem Erdbeben war ich mit meinem Bruder und seiner Freundin an der Nordküste, ganz in der Nähe des Epizentrums, unterwegs. Wie die ecuadorianische Presse berichtet, waren diese kleinen Fischerdörfer auch Tage nach dem Erdbeben mit der Stärke 7,8 nicht erreichbar und können vorerst nur aus der Luft versorgt werden.

Für die gesamte Nordküste ist es die zweite Naturkatastrophe innerhalb weniger Monate. Die Auswirkungen des Wetterphänomens „El Niño“ hatten die Nordküste Ecuadors schwer getroffen, wenngleich sie international wenig Aufmerksamkeit erfahren haben. Die neuerlichen Folgen für die gesamte Region sind noch nicht absehbar, da es noch keine genauen Opfer- und Betroffenenzahl gibt. Es steht jedoch fest, dass sich circa 20.000 Menschen innerhalb weniger Monate neue Häuser bauen müssen.

Das Erdbeben hat die gesamte ecuadorianische Gesellschaft zusammenrücken lassen und in den Sozialen Medien ist große Spendenbereitschaft vorhanden. Gespendet wird auch an öffentlichen Plätzen in den drei größten Städten Ecuadors (Guayaquil, Quito & Cuenca). Gespendet werden sowohl Wasser, Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung als auch Blut in lokalen Krankenhäusern.

Meine Familie in Puerto López hatte großes Glück, da nur das Nachbarhaus eingestürzt ist. Der Unterricht in meiner Schule ist vorerst eingestellt, da größere Schäden an den Gebäuden festgestellt wurden. Es wird jedoch ab Anfang Mai mit temporären Lösungen weitergehen.

Persönlich finde es sehr gut, wie die Menschen in den betroffenen Regionen mit der Situation umgehen und stelle keine Zeichen von Frustration und Resignation nach der zweiten schlimmen Katastrophe fest. Stattdessen herrscht eine „Anpacker-Mentalität“, da die Menschen es gewöhnt sind mit den Launen der Natur umzugehen.

Insgesamt sind die konkreten Folgen des Erdbebens für Ecuador zerstörte Straßen an der Küste, Schäden an öffentlichen Gebäuden, Wohnhäusern sowie über 500 Tote, eine hohe Anzahl an Verletzen und Obdachlosen.

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Sven schreibt einen Blog über seine Erlebnisse in Ecuador unter: www.frankfurtmeetsecuador.wordpress.com

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Möglichkeit von Spenden

Dieser Hinweis liegt Sven Moulden besonders am Herzen: Sein Freiwilligendienst wird aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Organisation (ASB Schleswig-Holstein e.V./KJSH e.V.) finanziert. Spenden stehen teilweise dem jeweiligen Projekt zur Verfügung. Mit Spenden wird aber auch der gesamte Freiwilligendienst aufrechterhalten. Sven sagt: „Jede Spende ist wichtig und hilft weiter!“

Das Spendenkonto
Kontoinhaber: KJSH e.V.
IBAN: DE77 2003 0000 0070 3215 05
BIC: HYVEDEMM300
Gibt man den Verwendungszweck „Ecuador 2015/Spende/Sven Moulden“ an, steht das Geld insbesondere Svens vom Erdbeben betroffener Schule in Ecuador zur Verfügung.

(Protokoll: Sven Moulden)