Monat: Juni 2015

Nur am Riedberg Mehrheit
gegen Rennbahn

Gut informierte Riedberger wissen es längst: Der Bürgerentscheid zum Erhalt der Frankfurter Galopprennbahn ist gescheitert. Die Rennbahn-Befürworter erreichten am 21. Juni nicht die notwendige Zahl der Stimmberechtigten, hatten im gesamten Stadtgebiet aber eindeutig die Nase vorn. Wirklich im gesamten Stadtgebiet? Nein, auf dem Riedberg nicht! Die Analyse des Bürgeramtes für Statistik belegt: Nur im Stadtbezirk Kalbach-Riedberg gab es eine Mehrheit GEGEN die Rennbahn und FÜR die geplante DFB-Akademie. Während in Kalbach die Zustimmung für die Nachwuchsakademie zwischen 46,2 und 54,4 Prozent lag, stimmten in der Grundschule Riedberg I sogar bis zu 63,1 Prozent der Wähler pro Fußball und gegen den Erhalt der Rennbahn.

Alex Markert, Präsident des SC Riedberg, spricht von einem „deutlichen Signal“. Markert weiter: „Das deckt sich auch mit unserer Einschätzung und Wahrnehmung hier am Riedberg, was das Thema Fußball angeht.“ Der Präsident des SCR, der kürzlich in den Vorstand des Sportkreises Frankfurt gewählt wurde, freut sich „auch für die Sportstadt Frankfurt“.

 

born2fly – Fliegen mit Gefühl

Zuerst ist da Frankfurts Skyline. Zum Greifen nah, fotografiert aus dem Cockpit einer Propellermaschine. Das zweite Bild zeigt eine zierliche Frau mit langen, braunen Haaren. Im Cockpit, am Steuerruder. Weiter hinter im Foto-Ordner ist Leonarda Born (25) mit Tankschlauch und Zapfpistole zu sehen. Fast beiläufig erklärt sie: „Ich mache alles weitgehend selbst. Wenn ich mein Flugzeug checke und feststelle, dass Luft fehlt, pump’ ich die Reifen auch noch auf.“

Leonarda Born spricht kurz und präzise. Keine Spur von Aufregung oder unnötigen Wortspielen. Es verwundert kaum, als sie erzählt, dass sie ausgebildete Fluglotsin ist. Doch an diesem Frühsommertag hat sie sich eine Auszeit für unser neues Stadtteilmagazin genommen, um über ihre größte Leidenschaft zu berichten: Über die Welt jenseits des Flughafen-Towers. Hoch über den Wolken. Über das Fliegen! Die 25-jährige, die seit Dezember 2010 am Riedberg wohnt, ist inzwischen Berufspilotin, Fluglehrerin – und bietet vom Flugplatz Frankfurt-Egelsbach aus Erlebnisflüge im gesamten Rhein-Main-Gebiet an.

Und zum ersten Mal kann mir jemand erklären, dass Fliegen viel mit Gefühl zu tun hat. Besonders, wenn man noch mit dem Segelfliegen begonnen hat. Da ist Fliegen „echte Handarbeit und man fliegt ein Stück weit mit dem Hintern“. Ohne hochkomplexe Technik, Wind und Wetter ausgeliefert. „Man muss sehr präzise fliegen, hat aber auch viel Zeit nachzudenken“, fügt Leonarda Born hinzu. Es ist die-ser Blick von oben auf die Welt, der sie bis heute fasziniert.

Schritt für Schritt und unzählige Flugstunden später steuert sie Business-Jets. Als Co-Pilotin. Die Verkehrspiloten-Ausbildung absolvierte sie in Berlin, die Theorie eignete sie sich im Fernstudium an.

Dennoch bleibt Zeit für kleinere Motoren und Abenteuer. Kürzlich flog sie mit einer Propellermaschine von Frankfurt bis nach Gibraltar. Mit Mini-Abstecher nach Mallorca. Weil sie sich „das schon lange in den Kopf gesetzt hat“.  Andere träumen vom Fliegen.
Leonarda lebt ihren Traum…

Mehr Informationen über Erlebnisflüge im Rhein-Main-Gebiet unter:
www.born2fly.fm

Am Anfang war nur Schotter

Am schönsten ist es am Morgen. Wenn die City unten am Main noch im Nebel liegt und für die Riedberger schon die Sonne aufgeht. Im Osten, gleich neben der Skyline der Stadt. Perfekt sind auch die Sommerabende, wenn sich das Leben in den grünen Innenhöfen, den Balkonen und Dachterrassen abspielt und der Blick von Frankfurts Wolkenkratzern bis zum Taunus reicht.

Keine Frage: Der Riedberg boomt. Mehr als 10.300 Einwohner leben inzwischen im größten Neubaugebiet Deutschlands für Wohnzwecke, wie es in bestem Amtsdeutsch heißt. Unser Stadtteil ist jung und weltoffen, innovativ, urban und kreativ. „Ich komme aus Mexiko, meine Freundin aus Serbien und in der Schule meiner Tochter sind Kinder mit asiatischen Wurzeln, aus dem Nahen Osten und natürlich Deutschland“, berichtet eine Riedberger Mutter mit ansteckendem Lachen. Im zuständigen Ortsbeirat spricht man von einem „spannenden Stück Stadtentwicklung“. Und davon, dass hier „Menschen mit verschiedensten Biografien und aus allen Teilen der Welt zusammenwachsen“. Lange stand der Riedberg im Schatten des Schwester-Stadtteils Kalbach, der anno 772 bereits erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Doch längst spielt sich hier das gesamte, moderne Leben ab. Es gibt Ärzte, Geschäfte, immer noch einen Pferdehof, die Science City Frankfurt-Riedberg mit Campus und Forschungseinrichtungen, Cafés, erste Restaurants. Ambitionierten Städtebau und U-Bahn-Anbindung inklusive.

Als Markus Schaufler vor fast zehn Jahren mit seiner Familie hierher ziehen wollte, musste er „noch ordentlich Überzeugungsarbeit leisten“. Da war nur eine holprige Schotterstraße, die zum neuen Zuhause führte. Selbst dann, als es – natürlich später als geplant – endlich fertig war. „Es gab nur die erste Grundschule an der Kalbacher Höhe, dann lange nichts“, berichtet der Mann, der später die IG Riedberg mitinitiierte und damit erstes Gemeinschaftsleben ins Neubaugebiet brachte. Oben, wo längst das Riedberg-Zentrum entstanden ist, „war ein altes Gaslager und außerdem waren da noch ein, zwei Bauernhöfe, Streuobstwiesen und ein paar vereinzelte Häuserzeilen“. Einzig das erste Wohn-Quartier neben A661 und Merton-Viertel, der „Bo-
nifatiusbrunnen“ mit Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern, verströmte ein bisschen Stadtluft.

Die Riedbergerin aus Mexiko kann sich sogar noch an Zeiten erinnern, „als oben am Berg noch kein Haus war und keine 100 Meter von unse-rem Haus entfernt noch richtig Mais gewachsen ist“. Um ehrlich zu sein: ab und zu stibitzten sie den einen oder anderen Maiskolben und grillten ihn. „Das kenne ich aus meiner Heimat. Das schmeckt wirklich köstlich“, erzählt sie.

Apropos köstlich: Wer mittags den Riedberg hochfährt, nicht so sportlich wie die Profis beim Radrennen Eschborn-Frankfurt, aber mit mäßigem Tempo oder doch mal schweißtreibend per Rad, wird auf „Passhöhe“ eine kleine Menschenansammlung bemerken. Vor dem Asia-Imbisswagen Chalinee Silbermann. Man isst, sonnt und unterhält sich. Zwei Mal schon mussten Chalinee und das Küchenteam aus ihrer Heimat Thailand Bauprojekten weichen und den Standort wechseln. Jetzt ist ihr Hänger nur wenige Schritte von Uni Campus und Forschern entfernt. Das Lieblingsgericht der Kunden blieb: ein würziges, aber nicht zu scharfes Hühner-Curry mit Gemüse, Erdnüssen und Kokosmilch.

Nein, mit dem Rad sei er bisher noch nie hierher gelangt, bekennt Baudezernent Olaf Cunitz gegenüber Main Riedberg. Der Grünen-Bürgermeister fügt hinzu: „Da ich Freunde und Bekannte auf dem Riedberg habe, war dieser immer wieder Ausgangspunkt für schöne Spaziergänge.“ Manchmal ist er mehrmals pro Woche hier, dann aber aus beruflichen Gründen.

Denn am Riedberg möchte die Stadt fortführen, was Ernst May, der Baumeister des „Neuen Frankfurts“, zwischen 1925 und 1930 begonnen hat. May baute mit seinen Architekten und Gestaltern Siedlungen, die bis heute als beispielhaft gelten. Platzsparend, mit Design und Funktionalität, perfekt für Großstadtmenschen und preisgünstig dazu. May und Mitstreitern wird auch der Prototyp der Einbauküche, die Frankfurter Küche, zugeschrieben und natürlich der „Frankfurter Küchenstuhl“, der längst wieder in Design-Katalogen und im Zuhause Einzug hält. Das Quartier „die weiße Stadt“ ist May übrigens gewidmet.

Zugegeben: Wegweisende Architektur ist nicht überall. Zwei Vorzeige-Bauten, ein Einfamilienhaus vom Büro „unlimited architekten“ und das schwarze EnergieHaus Plus in der Graf-von-Stauffenberg-Allee, sind Ende Juni beim „Tag der Architektur“ zu besichtigen. Auch Star-Architekten wie Daniel Libeskind (u.a. Jüdisches Museum Berlin) legen inzwischen Entwürfe für unser Neubaugebiet vor. Die „Townhouses“ von Libeskind landeten im Jury-
Wettbewerb aber nur auf Platz 2. Den Zuschlag bekamen Architekten aus Rotterdam, Frankfurt und Berlin.

Die Zeitschrift „Capital“ empfiehlt den Riedberg bereits als Wohnlage und Kapitalanlage. Villen im neuen „Westflügel“ sollen mit Grundstück bis zu 1,8 Millionen Euro kosten. Menschen, die sich schon seit Jahren ums soziale Miteinander sorgen, liegt mehr am Herzen, „dass die
Mischung stimmt“. So setzt sich der Stadtteilarbeitskreis dafür ein, dass es endlich mehr Räume für die Vereine und sozialen Gruppierungen gibt. Für mehr Angebote für Eltern, Kinder, Jugendliche und Senioren.

Die Zahl der Riedberger wächst rasant. Ein Beispiel: Die Grundschule 2 bekommt im Sommer rund 100 neue Schüler. Weit mehr als erwartet. Ältere Kids fühlen sich derzeit noch in der Minderheit, werden sich aber sicher über die neue Anlage für Skater und BMX-Fans im Gewerbegebiet am Martinszehnten freuen. Der Skaterpark an der Josef-Eicher-Straße soll noch in diesem Jahr gebaut werden.

Längst sind wir eine Mini-Stadt in der Stadt. Wenn alle Bauprojekte fertig sind, also vermutlich 2020, werden hier mindestens 15.000 Menschen leben. Oder werden es sogar bis zu 17.000 sein? Bürgermeister Olaf Cunitz erklärt dazu: „Ich tue mir schwer mit diesen Prognosen.“ Ob eine Wohnung letztlich von zwei oder vier Personen bewohnt wird, sei „nicht steuerbar“. Viel schwerer wiegt nach Ansicht des Planungsdezernenten, dass sich alle Alt- und Neu-Riedberger „richtig wohlfühlen können“.

Dazu eine Randnotiz: Auf der offiziellen Homepage www.riedberg.de findet sich auch ein Riedberg-Klingelton. Wir finden: Der echte Riedberg klingt doch aufregender. Und ist – auch dank der Windböen vom Taunus – noch ein wenig „cooler“…                                                   Det.

Chancentod & Fußballgott

Es ist Freitag, 20 Uhr, in Frankfurt-Riedberg. Die Bundesliga? Kickt doch so richtig erst am Samstag! Oder besser gesagt: ab Herbst, in der neuen Saison. Die Herren mit Kampfnamen „Kugelblitz“, „Chancentod“, „Torfabrik“ oder „Zerberus“ aber tun schon jetzt alles dafür, dass das Runde ins Eckige kracht. Ein Steilpass nach halblinks. Ein Spurt. Ein kurzer Blick in die Mitte. Dann der Pass zum freien Mitspieler. Direktannahme und platzierter Schuss ins rechte, untere Eck. Das Tor zählt, der Spielstand ist eher Nebensache. Der Torjubel stimmt. Wer sagt denn, dass Fußball im Halbdunkel und mit Spielern, die überwiegend die 40 überschritten haben und teils schon etwas „Daddy-Body“ mit sich mitschleppen, nicht unterhaltsam oder schlicht für alle Mitspieler ein Highlight der Woche sein kann?

Meist spielen sieben gegen sieben Mann. Oder acht gegen acht. Auf dem Kleinfeld, also der Hälfte des normalen Spielfeldes. Nebenan laufen die Rasensprenger und schicken immer mal wieder einen Wasserstrahl rüber. Kalter Wind weht vom Taunus herunter. Ein leicht verletzter Mitspieler, der nur zum Zugucken vorbeigekommen ist, erzählt, dass immer mehr Fußballbegeisterte anklopfen. Auch der Auftritt der Herren wird zunehmend professioneller. Gerade erst wurden die neuen blauen Trikots mit dem Schriftzug „Zum Lahmen Esel“ verteilt. „Passt doch prima zu uns, oder?“, bemerkt Vereinspräsident Alex Markert süffisant. Er hat den Kontakt zum gleichnamigen Niederurseler Apfelwein-Lokal vermittelt, zumal Wirt Thomas auch am Riedberg wohnt. Markert selbst hat sich den Rücken mit dem Zusatz „Fußballgott“ beflocken lassen und spielt so natürlich mit seinen Initialen und Eintracht-Ikone Alex Meier Doppelpass.

Die „Alten Herren“ des SC Riedberg sehen sich nicht als alte Garde des noch jungen Vereins, mehr als Traditionself. Es ist für sie mehr als ein bisschen Sport. Schon als Kinder haben sie mit ihren Lieblingsclubs mitgelitten und sind dem Ball hinterhergejagt, auf Bolzplätzen, nicht auf bestem Kunstrasen wie hier. Freundschaften und viele Jahre vergingen, das Faible für Fußball blieb. Jetzt sind sie Mikrobiologen, Lehrer, Banker oder Selbständige, die sich auch nach 90 Minuten noch etwas zu sagen haben, ein Bierchen gemeinsam trinken oder am Vatertag – bei einem kurzfristig einberufenen „Sondertraining“ – erst ge-pflegt kicken und dann mindestens so gepflegt grillen und feiern. Es ist vielleicht genau das, was in einem großen Neubaugebiet Heimat schafft. (Auch wenn das sicher keiner so poetisch formulieren würde.)

Übrigens spielt bisweilen auch ein Sportreporter des Hessischen Rundfunks mit. Der wird genauso abgegrätscht. Ebenso wie „Fußballgott“ und Vereinspräsident Alex.

Auch die Fan-Liebe zur Eintracht verbindet. Die meisten der Herren jedenfalls. Egal, ob man(n) aus Karlsruhe, Kalbach, aus Nahost oder aus Frankfurt-Hausen stammt. Beim Heimspiel geht’s mit Dauerkarte ins Stadion. Bei Auswärtsspielen trifft man sich vorm Fernseher. Notgedrungen, „weil uns hier immer noch eine richtige Kneipe fehlt“. Beispielsweise beim 0:2 kurz vor Ende der Saison gegen Dortmund, das ein ziemlich trostloses Gekicke war. Europa rückte da bereits in weite Ferne. Der Ärger darüber war erstaunlich schnell verflogen. Der Nachwuchs, ein Mädchen inklusive, saß mit Chips und roten Backen auf ei-ner Familien-Couch, während die Väter fachsimpelten, vieles bes-ser wussten und nebenbei vom Stress der Woche entspannten. Gemeinsam fühlt sich so eine Niederlage vermutlich auch nur halb so schlimm an. Eine „Spielerfrau“ sagt mit Blick auf den familiären Terminkalender nur: „Glaub’ mir, die Alten Herren, die sind ihm heilig.”      C. Detsch

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